IG Volkelîn Regularien        Stand September 2004

 

1. Ausrichtung

 

1.1 Zeitraum/ Darstellungsrahmen

Die Darstellung IG Volkelîn beschränkt sich auf den Zeitraum um das Jahr 1250 nach Christus.

Die dargestellten Personen kommen alle ausschließlich aus der mittelalterlichen Unter- und Mittelschicht. Die dargestellten Personen können dabei sowohl aus dem ländlichen als auch aus dem städtischen Umfeld kommen. Darstellbar sind somit z.b. Bauern, Handwerker, Händler und deren Umfeld. Ausgenommen ist jegliche Form von Adel. Bei der Auswahl der dargestellten Person soll möglichst das Mittelaltertypische gewählt werden, Ausnahmeerscheinungen (z.b. kämpfende Frauen) sind zu vermeiden.

Eine Militärdarstellung sollte nicht Hauptbestandteil der Darstellung sein, sondern nur zur Vervollständigung der Darstellung dienen (Händler -> Stadtwache).

 

Regional beschränkt sich die Darstellung auf das heutige Rheinland und Westfalen, bzw. dem Einzugsbereich des mittelalterlichen Köln.

 

1.2 Ziele/ Gruppenphilosophie

Die IG Volkelin beschäftigt sich mit der möglichst korrekten Darstellung historischer Berufstände. Dabei werden weder fiktive noch reelle Historische Personen dargestellt, sondern die Gewichtung liegt auf der Darstellung einer typischen Person seiner Zeit.

 

Zur Erklärung: „Es wird nicht der Schmied Wolfram, geboren 1220 in der Schmiedegasse zu Köln dargestellt sondern ein typischer Schmied wie er in städtischem Umfeld gelebt hätte“ .

Dabei wird versucht die jeweilige Person basierend auf dem aktuellsten Forschungstand, historischen Abbildungen und Texten zu rekonstruieren. Sämtliche Ausrüstungsgegenstände und Kleidung sollten belegbar sein.

 

Zur Darstellung gehört, zusätzlich zu Kleidung und Accessoires, auch ein gewisses Grundwissen zu den Lebensumständen der Person und zur allgemeinen Kultur des Mittealters. Wichtig für die IG Volkelîn ist das Wissen über das mittelalterliche Leben auf Veranstaltungen an interessierte Besucher weiterzugeben. Dabei ist es uns wichtig nur historisch korrekte Informationen zu vermitteln.

Ein Rollenspiel im eigentlichen Wortsinne findet innerhalb der IG Volkelîn nicht statt.

 

Zusätzlich zur eigenen Wissensteigerung und der Wissenvermitlung an interessierte Besucher, dient die gemeinsame Beschäftigung mir dem Thema Mittelalter, natürlich auch dazu seine Freizeit unter Freunden zu verbringen. Die im weiteren noch genauer erläuterten Regularien dienen also auch zur Konfliktvermeidung und Darstellung gemeinsamer Ziele.

 

2. Ausrüstung

 

2.1. allgemeine Grundsätze

Oberste Priorität hat die Belegbarkeit der Kleidungs- und Ausrüstungsgegenstände, sowohl hinsichtlich der verwendeten Materialien, als auch der Verarbeitung. Jedes Material und jeder Ausrüstungsgegenstand sollte für den von der IG Volkelîn dargestellten Zeitraum belegbar sein. Alle Einzelteile der Ausrüstung müssen zueinander passen, sich in die Gesamtdarstellung der Gruppe einfügen und den Belegen nach keine Ausnahme darstellen. Ausnahmen sollten grundsätzlich abgesprochen werden, wer weiß, vielleicht findet sich im Gespräch noch ein Hinweis auf einen Beleg.

Die folgenden Regularien beziehen sich nicht nur auf die Zeit während Besucher anwesend sind, sondern auch (und gerade dann) wenn man „unter sich“ ist.

 

2.2. Personen

2.2.1. Kleidung

Verwendet werden dürfen nur einheimische Rohstoffe. Kunststoffe/Kunstfasern dürfen generell nicht verwendet werden. Importierte Materialien (wie z.b. Baumwolle) dürfen verwendet werden, wenn die Verwendung für diesen Zweck und diesen Zeitraum genügend belegbar ist und den Belegen nach keine Ausnahme darstellt (siehe oben).

Bei der Kleidung kommt somit vorrangig Wolle, Flachsleinen und Hanfleinen in Betracht.

Für Unterkleidung, einfache Kopfbedeckungen und dgl. aus Leinen, ist vorzugsweise Rohleinen oder gebleichtes Leinen zu verwenden. Alle übrigen Stofffarben sind beliebig, sollten aber eher gedeckt gehalten sein und nach Möglichkeit mit Naturfarben zu erzielen sein. Grundsätzlich wären natürlich mit Naturfarben gefärbte Stoffe vorzuziehen.

Kleidung sollte dem Stand der dargestellten Person angemessen sein und zwar in Material, Schnitt und Farbe. Als Grundlage hierfür dienen Abbildungen in Codices, Statuen und andere schriftliche Überlieferungen wie z.b. Kleiderordnungen. Nähere Informationen zu Macharten und ähnlichem findet man auf unserer Internetseite.

Es sollten alle Nähte per Hand genäht sein.

 

2.2.2. Accessoires

Für Ausrüstungsgegenstände sind als Material z.b. einheimische Hölzer, Ton, Bein, Horn, Eisen, Stahl, Zinn und Bunt- bzw. Edelmetall heranzuziehen.

 

Auch die Accessoires, wie z.b. Schmuck sollten dem Stand der dargestellten Person angemessen sein und dem Stil der Zeit entsprechen. Ideal sind natürlich Repliken – jedoch nicht zwingend erforderlich, wenn Material, Verarbeitungsweise und Stil passen – teilweise einfach mangels Masse. Ausnahmen sollten hierbei an vorhandene Belege angelehnt sein und den Bezug erkennen lassen.

Außerdem sollten Accessoires wie z.b. Kopfbedeckungen bei Mann und Frau dem Stand entsprechen. Hier gelten klare Vorgaben aus historischen Überlieferungen von Statuen, Bildnissen oder Funden.

 

2.2.3 Persönliche Gegenstände (historisch nicht korrekt)

Es ist jedem selbst überlassen inwiefern Plastikbehälter und ähnliches auf eine Veranstaltung mitgenommen werden. Jeder sollte aber bemüht sein, so wenig moderne Verpackung mitzuführen wie möglich. Diese dürfen dann aber nicht sicht- oder hörbar (Plastikgeraschel) für andere Teilnehmer sein. Dies muss auch beim öffnen und schließen des Zeltes beachtet werden.

Das gleiche gilt für Hygieneartikel – dürfen und sollten auch benutzt werden, dann aber unsichtbar.

 

2.3. allgemeine Ausrüstung/ Lageraustattung

Auch für die allgemeine Ausrüstung (Kochkeramik etc.) sollen künftig höhere Qualitätsmaßstäbe gelten, um ein optisch ausgeglicheneres Bild zu bieten. Hier gilt der gleiche Grundsatz: was neu angeschafft wird, soll von vorn herein belegbar sein.

Die Lagerausstattung wie zum Beispiel Bänke/ Hocker etc. werden grundsätzlich von jedem selber angefertigt (oder besorgt) und transportiert. Dabei wird auf ein homogenes Bild geachtet.

 

2.3.1. Zelte, Planen, Zeltausstattung

Ideal wäre natürlich alles künftig aus Leinenstoffen zu haben. Wir zwingen keinen dazu existierende Past Zelte aus Baumwolle „Zwangs zu verkaufen“ es wäre jedoch wünschenswert, wenn alle Neuanschaffungen nur noch aus einheimischen Rohstoffen wie z.b. Flachs oder Hanf sind.

Kurz gesagt: wenn es um einen solchen Kompromiss wie Zelte und Planen geht, bei denen keine direkten Belege vorhanden, aber ein (leider) notwendiges Übel sind, müssen solche Kompromisse sich in das Gesamtbild einfügen und dementsprechend aus den Materialien gefertigt sein die in diesem Zeitrahmen vorhanden waren. Ebenso sollte die Größe angepasst sein, d.h. keine „Großraumzelte“ die wohl eher den sehr gutbetuchten Leuten zustanden.

Zelte werden für Besucher nur geöffnet und gezeigt, wenn keine unbelegbaren oder modernen Gegenstände zu sehen sind.

 

2.3.2. Kochgeschirr/ Keramik

Beides sollte in unsere Zeit und in die von uns dargestellte Region passen. So ist für unsere Region z.B. Keramik aus Siegburg oder Pingsdorf nachgewiesen und stark verbreitet gewesen. Wichtig ist, dass Keramik unserer Zeit und in unserer Region nicht lasiert war.

 

2.4 Belege

Es ist ratsam sich eine Art Belegmappe anzulegen. Das erleichtert die Anmeldungen und –was am wichtigsten ist-  man kann Zweifler anhand dieser Mappe schnell vom Gegenteil überzeugen. Wer kennt nicht diese Situation: „Äh, ich glaube das war hier und da abgebildet, da müsste ich aber noch mal nachschauen“. Diese Mappe anzulegen ist aber nur eine Empfehlung und kein Muss. Bei den „alten Hasen“ ist dies auch eine gute Gelegenheit mal einen Überblick zu bekommen, was man denn an unhistorischem Krempel mit sich herumschleppt.

 

3. menschliches Erscheinungsbild und Benimmregeln

Es gelten künftig ein paar einfache Spielregeln für alle.

Thema Rauchen: Auch wenn es manchem schwerfällt - es wird grundsätzlich, d.h. zu jeder Tages und Nachtzeit, nicht im und auch nicht vor dem Lager geraucht. Was jeder in seinem Zelt tut bleibt natürlich jedem selbst überlassen.

Thema Schmuck: Ein weiteres Thema sind Piercings und sonstiger Schmuck, sofern er nicht in die dargestellte Zeit und zur dargestellten Person passt. Dieser sollte für die Dauer der Veranstaltung abgedeckt oder besser herausgenommen werden.

Thema Brillen: Hierüber kann man sicher heftige Diskussionen führen, ob sie denn nun auf einer Veranstaltung getragen werden dürfen oder nicht. Um es kurz zu machen, es gibt Veranstaltungen an denen wir teilnehmen, wo sie nicht erwünscht sind - daran müssen wir uns dann auch ausnahmslos halten. Ansonsten sollte sich jeder bewusst sein, das es ein Anachronismus ist und es nicht zu einer Darstellung des 13. Jhd. passt. Man sollte eine Brille nach Möglichkeit durch Kontaktlinsen ersetzen.

Abschließend noch ein Thema speziell für Frauen. Auch die die äußerlichen Merkmale wie z.b. Nagellack und auffälliges Make-up sollte vermieden werden.

Mit diesen Themen sollte umso sensibler umgegangen werden, desto höher das Niveau der Veranstaltung ist.

 

4. Neueinsteiger/ Gäste

Gäste und Interessierte sind jederzeit bei uns willkommen. Um jedoch ein stimmiges Bild gewährleisten zu können, haben wir uns dazu entschlossen, das dieses Regelwerk auch für interessierte Neulinge Gültigkeit hat. Auf Anfrage gibt es natürlich jede Menge Hilfestellungen und Tipps. Außerdem solte es kein Problem darstellen, für Gäste und Interessierte, bei Bedarf, aus unserem Fundus entsprechende Kleidung und Ausrüstungsgegenstände wie z.b. Keramik zur Verfügung leihweise zur Verfügung zu stellen.

 

Wir behalten uns vor, vor der ersten Teilnahme an einem offiziellen Termin, die komplette Kleidung und Grundausrüstung unterziehen eines neuen Mitgliedes kritisch zu prüfen.

 

Bis zur vollwertigen Mitgliedschaft gilt eine Probezeit von einem Jahr. Dieses behalten wir uns ebenfalls vor, um entscheiden zu können, ob der jenige zu uns passt oder nicht. Kriterien hierfür sind Zuverlässigkeit, Sozialverhalten und Hintergrundwissen. Diese Entscheidung muss einstimmig von allen Mitgliedern der IG Volkelîn getroffen werden.

 

5. Abschlussbemerkung

Wir wollen uns künftig nicht von anderen Menschen fernhalten oder abgrenzen, ganz im Gegenteil - diese Absicht liegt uns fern. Doch wir sind der Meinung, dass ein paar Grundsätze einfach schriftlich fixiert werden mussten, um künftig auf eine gemeinsame Basis aufbauen zu können und viele Reibereien und Probleme bereits im Vorfeld vermeidbar zu machen. Dies ist unsere Sichtweise und wir sind uns bewusst, das sie nicht unbedingt von jedem geteilt wird.

 

Diese Regeln und Statuten stellen nur einen Überblick dar, denn es ist nicht möglich alle Verhaltensmuster von Menschen hier aufzuführen.

Diese Regeln sind jederzeit verschärfbar oder erweiterbar. Wir versuchen sie hier immer auf dem aktuellsten Stand zu halten.