Flickschuster

Der Flickschuster stellt im Mittelalter eine eigene Berufsgruppe dar. Im Unterschied zum Schuhmacher oder Schuster (ahd. Sutari, Lat. Sutor = Näher, was die Haupttätigkeit bei der Schuhherstellung beschreibt) ist es des Flickschusters (Lat. Sutor cerdo) einzige Aufgabe, Schuhe zu reparieren bzw. auszubessern. Eine weitere eng verwandte Berufgruppe sind

die sog. Altmacher (auch Altbüßer), die abgetragene Schuhe aufkauften, ausbesserten und wieder verkauften.

Anhand anatomischer Untersuchungen läßt sich schließen, dass Menschen bereits vor ca. 40.000 Jahren Schuhe kannten, doch erst in der Antike wurden Schuhe zum Allgemeingut und Massenware.

Im Mittelalter (ca. 800 – 1500 n.Chr.) wurden im nördlichen und mittleren Europa hauptsächlich Lederschuhe (Ziegen- oder Rindsleder) getragen, die nach der sogenannten wendegenähten Machart hergestellt wurden. Die Schuhe wurden zunächst auf links genäht (Oberleder direkt an die Sohle) und anschließend auf rechts gewendet (daher der Spruch „Andersherrum wird ein Schuh draus“), so dass die Naht innen lag. Dadurch wurde erreicht, dass der Schuh in einem gewissen Maße wasserdicht wurde und man nicht auf den Nähten lief und diese somit durchrieb. Die schiere Masse an gefunden Schuhen und Schuhfragmenten, vor allem in London, Konstanz, Schleswig, Lübeck und Haithabu, läßt den Schluß zu, dass auch im Mittelalter Schuhe eine Massenware waren, die sich nahezu jeder leisten konnte. Hinweise darauf findet man in Quellen, in denen arme Leute damit beschrieben werden, dass sie so arm waren, dass sie sich noch nicht einmal Schuhe leisten konnten. (z.B. Parzival, Erec)

Ca. ab dem 12. Jahrhundert unterliegt der Schuh starken modischen Einflüssen und bildet somit viele verschiedene Formen aus. Eine der bekanntesten Formen mittelalterlichen Schuhwerks dürfte für den Laien wohl der sogenannte Schnabelschuh sein , der nach orientalischem Vorbild vorn hochgebogen und spitz zulaufend vor allem im 14. Jahrhundert

in der Oberschicht Gefallen fand. Anhand der Länge der Spitze wurde die Zugehörigkeit zu einem Stand gekennzeichnet und auch in den strengen Kleiderordnungen reglementiert. Die häufigste Form jedoch stellt der sogenannte Bundschuh (oder auch Schnürschuh), der durch umbinden des Schaftes mit einer Schnur oder Lederband am Fuß bzw. Bein gehalten wurde. Dieser Schuh kam in verschiedenen Ausführungen und Schafthöhen zum Einsatz und ist somit wohl der typischste aller Schuhe des Mittelalters.

 

Axel Stückrath