"Die spinnt mit einer Spindel"

Wer hat diesen Ausdruck oder so ähnlich nicht schon einmal gehört, wenn er spinnend auf einem Markt in seinem Lager saß. Kaum vorstellbar, dass dies von der Steinzeit bis ins Mittelalter nichts besonderes war und jede (später auch jeder) der gerade nichts anderes zu tun hatte, gesponnen hat. Diese einfache und kleine Tätigkeit war damals aber von enormer Wichtigkeit und wenn man Kleidung bzw. Stoffe haben wollte unabdingbar. Es ist heute kaum vorstellbar, dass man Stoff auf diese Weise hergestellt hat. Die heutigen Menschen gehen einfach in einen Laden und kaufen Stoff. Für die Menschen aus früheren Zeiten war dies der Weg um an Stoff bzw. Kleidung zu kommen.

 

Geschichte:

Leider lässt sich heute nicht genau sagen ab wann die Menschheit gesponnen hat, ich meine natürlich das Spinnen zum Thema. Es gibt mehrer Funde aus der Steinzeit, wo man runde Steine mit einem Loch in der Mitte gefunden hat, die darauf schließen lassen, dass ab dieser Zeit schon gesponnen wurde. Natürlich sind die Spinnstäbe bzw. Spindeln aus Holz nicht erhalten geblieben. Dies war über die Zeit hinweg die einzige Methode zu spinnen. Ende des 13. Jh. Bzw. Mitte des 14. Jh. Kommt dann so langsam ein so genanntes "Handrad" zum Vorschein. Der Vorläufer des heute bekannten Spinnrades. Welches sich aber nicht wirklich durchgesetzt hat. Einer Gründe scheint der Glaube an ein "Teufelswerk" gewesen zu sein. Erst im 14. Jh. bzw. 15. Jh. kam dann das uns bekannte Spinnrad in Mode. Dies verbesserte sich dann immer weiter im Laufe der Zeit.

 

Material:

Wie bei jeder handwerklichen Tätigkeit sollte man über Materialwissen verfügen. Erst einmal gibt es drei Unterschiede bei den Materialien:

 

1. die tierischen Haare         z.B.: Wolle, Mohair, Alpaka, Kaschmir oder Seide

 

2. die pflanzlichen Fasern     z.B.: Baumwolle, Leinen (Fachs), Jute und Hanf

 

3. die regenerierten Fasern   z.B.: Kunstseide oder synthetische wie Nylon

 

Alle diese Fasern können zum Handspinnen verwendet werden. Man sollte sich aber seiner Zeit und dem Raum bzw. Gebiet den man darstellt entsprechend anpassen.

 

Skudden

Die wohl geläufigste und auch wahrscheinlich einfachste Art ist das Spinnen von Wolle. Es gibt viele unterschiedliche Schafrassen, die in verschiedenen Gegenden und Klimas aufwachsen. So verwundert es nicht, dass das Rohmaterial Schafwolle unterschiedliches Aussehen und Qualität haben kann. Man unterscheidet hier drei Gruppen von Wolle:

 

1. die langhaarige, glänzende Wolle, die normalerweise gerade und kräftige Fasern hat, z.B. von Gebirgsschafen

 

2. die lockige, weiche Wolle mit sehr kurzen Haaren, z.B. vom Merinoschaf

und

3. Kreuzungen der beiden vorherigen Sorten.

 

Auch gibt es bei den Naturfarben viele unterschiedliche Sorten z.B. von weiß bis cremefarben und braun bis ins tiefschwarze. Hier sind die jeweiligen Vorlieben gefragt. Man sollte sich die Wollte gut ansehen oder vielleicht auch ausprobieren, bevor man sich welche zulegt.

 

Vorbereiten der Wolle:

Man kann natürlich auch schon gekämmte Wolle kaufen aber ich finde das Spinnen fängt man mit der ungekämmten Wolle an. Auf jeden Fall sollte man aber bereits gewaschene Wolle nehmen! Das Waschen ist nämlich eine nicht gerade angenehme Sache.

 

Zum Kämmen (kardieren) der Wolle braucht man sogenannte Handkarden. Dies sind zwei Holzbrettchen auf denen metallene kleine Hacken befestigt sind. Früher hatte man hierfür auch Karden bestückt mit Distelköpfen.

Man nimmt eine kleine Menge der ungekämmten Wolle und legt diese zwischen die Handkarden.

 

 

Nun zieht man diese entgegen auseinander. Man kämmt die Wolle solange bis keine Locken bzw. Krampen mehr hat.  Auch muss man aus der Wolle jeglichen Schmutz und Gräser entfernen, wenn noch welche vorhanden sind!  Es sollte nach mehrmaligem Kardieren der Wolle ein leicht flauschiges Büschel entstanden sein.

 

 

 

 

Das Spinnen:

Die Verarbeitung der jeweiligen Fasersorten ist grundsätzlich ähnlich. Außer das Wolle wohl, meiner Meinung nach, die Einfachste ist. Zum Anfang möchte ich sagen, dass jede bzw. jeder seine eigene Methode und Stil entwickeln muss. Dies wird im übrigen jetzt eine Anleitung für Rechtshänder, die Linkshänder unter euch müssen einfach umdenken.

 

Zum Anfang muss man erst einmal aus der Wolle einige Fasern herausziehen. Dann mit der Hand einen gedrehten Faden bilden. Dieser sollte aber immer noch mit der restlichen Wolle in Verbindung stehen. Dies dient dazu, damit wir den Faden anspinnen können. Diesen Faden befestigt man mit einem Knoten an der Spindel. Dann dreht man die Spindel um erst einmal ein wenig Drall auf den Faden zu bekommen.

Dreht man im übrigen im Uhrzeigersinn hat man einen S-gedrehten Faden, dreht man gegen den Uhrzeigersinn einen S-gedrehten.

 

Man nimmt nun den Wollbüschel in die rechte Hand. Mit dem Daumen und dem Zeigefinger der rechten Hand hält man nun den Anfang des Fadens fest. Mit der linken Hand versetzt man die Spindel in Drehung, solange bis man den Drall in Daumen und Zeigefinger der rechten Hand spürt.

 

 

 

Dann dreht man mit der linken Hand den Faden am oberem Ende ein wenig auf, also in die andere Richtung und hält ihn fest.

 

 

 

 

Mit der rechten Hand zieht man nun aus der Wolle ein Dreieck heraus. Und läßt dann den Drall hochlaufen. Dies wiederholt man bis man merkt das kein Drall mehr kommt. Dann muß man die Spindel erneut in Drehung versetzen.

 

Mit ein bisschen Übung wird das schon und so mehr man übt, um so besser wird es. Auch ist für die Dicke des Fadens entscheidend, was für ein Gewicht die Spindel hat, um so leichter die Spindel, um so dünner kann man den Faden spinnen.

 

Erreicht nun die Spindel nach mehrmaligen Spinnvorgängen den Boden, so muss man natürlich den Faden aufwickeln. Dies macht man am besten wie folgt: Erst einmal nimmt man den gesponnenen Faden in Achterschlingen mit der rechten Hand auf. Den Anfangsknoten schiebt man nun nach unten zum Gewicht hin und wickelt den Faden um den Spinnstock auf.

 

 

Um mit dem Spinnen fortzufahren, lässt man ein Stück unaufgewickelt und führt den Faden unter das Gewicht zur Spindelspitze. Dort führt man ihn einmal herum und dann zum oberen Ende der Spindel und befestigt den Faden dort mit einer Schlinge, damit der dort gut festsitzt. Dann fängt das Spiel von neuem an.

 

Sandra Tillmann, Dez.2003